Tag 16 – Höhlentour
Published by Evita Bley on May 01 2016

Wir brechen früh auf, wir haben viel vor. Als erstes aber Frühstück. Wir fahren noch einmal zum „Point“ in der Hoffnung, dass heute vielleicht ein paar Surfer mehr auf den Wellen reiten. Und wir haben Glück. Wir setzen uns in ein Restaurant direkt am Austragungsort und können von unserem Platz aus sehen, wie sich die einzelnen Gruppen so schlagen im Wasser.

Es laufen auch ein paar sehr hübsche Surferboys herum, aber im Moment ist wohl „Seniorenliga“ angesagt. Es befinden sich ungefähr sechs ältere Herren auf ihren Bords und warten auf die nächste gute Welle. Jeder steht oder sitzt da und wartet, dass einer mal einen guten „Ritt“ hat. Und siehe da, die Herren schlagen sich ganz gut, vor allem einer, der es immer wieder schafft, während die anderen ständig von ihrem Bord fallen oder es gar nicht erst versuchen.

Nach einem fettigen Bacon & Egg Frühstück fahren wir nun los nach Oudtshoorn. Das liegt ca. 150 Kilometer entfernt im Norden von Mossel Bay. Die Fahrt dahin geht wieder durch Berge und über endlose gerade Straßen durch die Steppe. Hier wohnen die Strauße. Man kann sie immer schon ca. 1 Kilometer bevor sie zu sehen sind riechen … Ab und zu gibt es „Ostrich-Parks“, in denen man Straußen reiten kann oder sich Straußenrennen anschaut.

Wir haben aber ein anderes Ziel. 20 Kilometer nördlich von Oudtshoorn mitten in den Bergen gibt es einen Touristenpunkt, die Cango-Caves. Also Höhlen.

Wir werden freundlich begrüßt und kaufen unsere Tickets. Es gibt zwei verschiedene Touren, die Heritage-Tour für die Leute, die einfach nur Höhlen gucken wollen und die Adventure-Tour für die ganz harten. Also mit kriechen und engen Stellen.

Wir sehen eine „Probe-Wand“, in die ein paar Löcher gesägt wurden, um zu schauen, ob man denn durch die engen Stellen auch durchpasst. Nun Martin hat – wie er sagt – zu viele Dinge in den Taschen und hat die Herausforderung leider nicht bestanden :D

Ich glaube aber, dass er die Adventure-Tour trotzdem hätte machen können, aber wir hatten keine „Höhlensachen“ mit, die kaputt gehen hätten können, also haben wir uns für die normale Tour entschieden und auch das war spektakulär.

Ich mag Höhlen habe ich beschlossen und würde gern mal irgendwo in Ecken krabbeln, wo noch keiner war, allerdings glaube ich, dass mein Respekt davor doch etwas zu hoch ist und Dunkelheit auch nicht mein allerbester Freund ist. Umso besser, dass alles hier schön ausgeleuchtet ist und ein Führer die Gruppe durch die Gänge leitet.

Ich kenne Höhlen eigentlich so, dass man über glitschige Steine und um kleine Vorsprünge herum laufen muss. Hier haben sie vor einigen Jahren die kompletten Höhlen planiert und hübsche Pflastersteinchen hingesetzt. Das ist albern!!! Wie der Guide uns dann sagte, haben einige Menschen „Angst“ in Höhlen ohne solchen Boden zu gehen und bevorzugen diese ordentlichen Wege.

Ich finde ja, dass man Höhlen mit ordentlichen Schuhen und langen Hosen etc. betreten sollte, wie sich herausstellte waren nicht sehr viele dieser Ansicht und so sieht man ganze Familien mit kleinen Kindern in Flipflops durch die Höhle stolpern. Überhaupt ist die Art und Weise wie andere Leute sich „Attraktionen“ anschauen irgendwie etwas merkwürdig. Natürlich mache ich auch ein Haufen Fotos, aber ich rede nicht die ganze Zeit, packe nicht ständig irgendwelche uralten Steine an und klettere nicht auf irgendwelche Steine rauf. Ein bisschen mehr Respekt, auch wenn es für Touristen ausgelegt ist, fände ich schon angebracht.

Der nette Guide erklärt Dinge, schaltet Lichter an und aus und beantwortet zwischendurch auch kleine Fragen. Ich hatte das Gefühl, dass ich eine von 4 Leuten (insgesamt ca. 50 in der Gruppe) war, die ab und zu doch noch eine spezielle Frage hatte und der Mann sehr froh darüber war, etwas nicht so mainstreamiges zur Höhle zu erklären.

Am Ende der Tour sagte er, dass alle nun selbstständig den Weg zum Ausgang zurückgehen könnten und sich alles in Ruhe anschauen können. Was passierte ist, dass alle bis auf 5-6 Leute direkt schnellen Schrittes den Rückweg antraten und in kurzer Zeit verschwunden sind. Martin und ich blieben mit der kleinen Restgruppe zurück und hatten quasi noch eine kleine Privatführung auf dem Rückweg, ganz in Ruhe und mit Antworten auf all unsere Fragen. Das war der schönste Part der ganzen Tour. Und als ich mit Martin über die Flipflops sprach und sie als unangebracht erwähnte lachte der Guide laut auf und hielt sich die Hände vors Gesicht, weil er genau derselben Meinung ist. Aber es gibt halt zwei Seiten, den Erhalt der Höhlen und die touristische Neugier der Besucher und da die Balance zu finden ist wohl ein sehr schwieriger Akt.

Wenn wir nochmal herkommen sollten machen wir auf jeden Fall die Adventure-Tour, denn da gibt es dann keine hübschen Wege, sondern die pure Höhle und hoffentlich Leute, die die Steine zu schätzen wissen und respektieren. Etwas was so lange braucht, um zu entstehen, sollte nicht innerhalb kürzester Zeit von 1000en Händen zerstört werden.

Und nach all meinem Meckern, ja ich gebe zu, auch ich bin heute Tourist, und es wäre andererseits auch sehr schade, wenn niemand mehr dieses Naturphänomen erleben könnte. Also Plädoyer: Ein bisschen mehr Respekt vor der Natur und trotzdem neugierig sein, das wäre sicherlich die beste Mischung.

Nach den Höhlen fahren wir zurück nach Somerset West. Das sind ca. 350 Kilometer. Wir sind mutig und fahren nicht direkt zurück zur N2-Autobahn, sondern halten uns an die Route 62 bis Swellendam. Das ist eine wunderschöne Strecke, durch Steppe mit Bergen ganz weit weg und dann genau durch diese Berge durch oder besser gesagt oben drüber.

Zwischendurch an den Pässen sitzen immer wieder Paviane an und auf der Straße. Hier sind also nicht die Serpentinen das Problem, sondern dass man Gefahr läuft, hinter jeder Ecke einen Affen zu überfahren. Also auch hier musste ich mich diesmal ein bisschen zusammenreißen, um nicht zu rasen.

Schließlich nach einem herrlichen Sonnenuntergang über den Bergen sind wir wieder auf der N2. Diese führt uns noch 200 Kilometer bis nach Somerset West. Nach sechs Stunden Autofahrt, inklusive Dunkelheit, Regen, viel zu schnell fahrenden und blendenden anderen Autos, 2-Meter-Sicht-Nebel auf dem letzten Pass, erreichen wir Zuhause und sind totmüde, aber glücklich über den wirklich wunderschönen Ausflug der letzten drei Tage.

P.S.: Es wird vermutlich noch einen oder zwei Einträge geben, aber vermutlich erst in ein paar Tagen. Morgen geht es zurück nach Deutschland und ich habe jetzt natürlich Rücklauf wegen der Pause. Wenn wir gut wieder landen schreibe ich die anderen Tage noch auf.


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